
"Lass leuchten, menschenliebender Gebieter, in unseren Herzen, das ungetrübte Licht deiner Gotteserkenntnis und öffne die Augen unseres Verstandes, damit wir die Botschaft des Evangeliums verstehen. Flöße uns auch die Furcht vor deinen seligmachenden Geboten ein, damit wir alle fleischlichen Begierden überwindend, einen geistlichen Lebenswandel führen und alles nach deinem Wohlgefallen sinnen und tun. Denn du bist die Erleuchtung unserer Seelen und Leiber, Christus, unser Gott, und dir senden wir den Lobpreis empor, samt deinem anfanglosen Vater und deinem allheiligen, guten und lebenschaffenden Geist. Jetzt und immerdar und in alle Ewigkeit. Amen."
(Chrysostomos-Liturgie)
Zweimal im Verlauf des liturgischen Tages der Orthodoxen Kirche wird dieses Gebet vom zelebrierenden Bischof oder Priester gesprochen; das erste Mal im Morgengottesdienst, in dem der Zeit des Alten Bundes und der Propheten in besonderer Weise gedacht wird, und das zweite Mal in der Eucharistiefeier (Chrysostomos-Liturgie), welche an das Kommen Jesu Christi, sein Letztes Abendmahl, seinen Tod und seine Auferstehung erinnert und uns auf die Herrlichkeit der künftigen Welt vorbereitet. Da es unmittelbar vor der Verlesung des Evangeliums gesprochen wird, hat man es mit der Epiklese, der Herabrufung des Heiligen Geistes auf die Gaben von Brot und Wein, verglichen. Die Gabe der Gotteserkenntnis, die hier erbeten wird, ist sozusagen der ur-ewige Traum der Menschen – vor und nach dem Kommen Jesu Christi in unsere Welt: Das Leben im Licht und in der Erkenntnis Gottes. An der Schwelle zwischen Morgengottesdienst und Göttlicher Liturgie wird deshalb in der "Großen Doxologie" Psalm 36,10 zitiert: "Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, in deinem Licht schauen wir das Licht." Voraussetzung für dieses Leben im Licht ist allerdings ein "geistlicher Lebenswandel".
Metropolit Augoustinos

